Sunday, March 15, 2009

Issey Miyake

„In einer Welt, in der Grenzen gesprengt und Tag für Tag vor unseren Augen neu gezogen werden, bleiben, meiner Empfindung nach, die Menschen ohne festen Bezugspunkt zurück,“ erklärte Issey Miyake in einer Vorlesung am Londoner Central Saint Martins College of Art and Design. „Ich halte Grenzen sogar für notwendig. Immerhin sind diese das Ergebnis von Kultur und Geschichte. Aber statt der Steinmauern der Vergangenheit erhoffe ich mir transparente Grenzen.“
Obwohl Miyake mit seinen Konzepten der Vision einer globalen Kultur wohl sehr nahe kommt, zählt er als Pionier des als heute bekannten und bewunderten „japanischen Designs“. In Japan gilt auch heute noch die Tradition, dass der Stoff im Mittelpunkt steht und den Körper umhüllt, umgekehrt der westlichen Auffassung, den Körper möglichst vorteilhaft zu betonen. Issey Miyake befasst sich intensiv mit der Beziehung von Körper und Stoff. Nicht nur verwischt er die Grenze zwischen Körper und Material, sondern er macht sie gewissermaßen unsichtbar.

Issey Miyakes Philosophie und kreative Energie fasziniert umso mehr, wenn man über seine Kindheit weiß, über die er nicht gerne spricht. Geboren wird Miyake am 22. April 1938 in Hiroshima, sieben Jahre vor der bekannten Katastrophe, bei der er seine Mutter verliert. Seitdem hat er seinen blick immer nach vorne, in die Zukunft gerichtet.
Obwohl er einerseits versucht, die Kimonokultur zu durchbrechen, bindet er andererseits die japanische Tradition der handwerklichen Verarbeitung und Materialauswahl stets mit ein. „Es ist notwendig, dass auch in Zukunft alle, und nicht nur eine kleine Anzahl Auserwählter, das traditionelle Handwerk überall auf der Welt zu schätzen wissen. Das kann man nur erreichen, indem die Tradition mit Hilfe neuer Technik wieder modern gemacht wird. Wenn es uns nicht gelingt, die Tradition dem heutigen lebensstil anzupassen - was Funktion und Preis betrifft - dann kann es sein, dass sie ausstirbt,“ erzählt er Mark Holborn, Autor des Buches Issey Miyake.

In seinen Präsentationen bedient er sich nie dem konventionellen Laufsteg. Er lässt seine Models durch ein Tokioter Parkhaus mit acht Stockwerken laufen; in einer anderen Präsentation „Issey Miyake and Twelve Black Girls” (1976) tragen zwölf schwarze Models, darunter übrigens die legendäre Grace Jones, hautenge Kreationen des Meisters. Anfang der 1980er Jahre benutzt er für eine Schau das Deck eines im Hudson River verankerten Flugzeugträgers.
Einen Meilenstein in Sachen Stoffverarbeitung setzt er Anfang der 1990er Jahre mit der Linie „Pleats Please”, indem er den prozess des plissierens (in falten legen) einfach umkehrt. Anstatt wie üblich Polyester unter Hitzeeinwirkung zu plissieren und dann nach schnitt zu fertigen, gibt er den bereits fertigen Zuschnitt in die Faltenpresse und experimentiert zusätzlich mit verschiedenen Stoffen.

Ein wichtiger Bestandteil seiner arbeit ist das konstante weiterentwickeln seiner Konzepte. Durch das ständige Vorwärtsbewegen scheint er die Zukunft förmlich in die Gegenwart transferieren zu wollen. Und dieser verleiht er durch Kollaborationen wie mit Choreograph William Forsythe (bis 2004 am Frankfurter Ballett) immer wieder ein neues Gesicht. Der Issey Miyake Concept-Store in New York ist von Stararchitekt Frank Gehry entworfen.

Mein Artikel in voller Länge nachzulesen in der März Ausgabe von pool_26
oder
http://www.pool-mag.net/content1.html?id=607&iid=26

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